Eine Wanderung im Hotzenwald

Verfasst von Karl Honsel Karl Honsel
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Am vergangen Samstag unternahm die OG Öhningen-Höri mit Gästen eine Wanderung in Rickenbach (in der Heimat unseres Ehrenpräsidenten Georg Keller) im vorderen Hotzenwald. Trotz zunächst wolkenverhangenem Himmel begannen wir unsere Wanderung über die Jungviehweide Altenschwand auf den Hotzenwald-Höhenweg. Im Laufe des Tages heiterte der Himmel auf und es wurde ein herrlicher sonniger Wandertag. Manch einer kam auch ins Schwitzen.
Unter der sachkundigen Führung von Georg Keller erfuhren wir Vieles über unsere Wanderregion, so über die Geologie, die Wirtschaftsgeschichte und die Heimatverbundenheit der Bewohner. So hat ein ehemaliger Bürgermeister aus Liebe zur Heimat auf dem Totenbühl bei den Drei Buchen eine Kapelle gestiftet und einen Kreuzweg angelegt.
Unterwegs trafen wir am Bachlauf der Murg auf ein Sägewerk, das heute die Wasserkraft nicht mehr für das Holzsägen nutzt, sondern elektrische Energie in das Versorgungsnetz einspeist. Aus der Murg wird auch Wasser in einem geschlossenen Hangkanal abgeleitet, den wir bewandert haben. Wir erreichten dabei das Wasserschloss, über dessen Funktionalität wir sehr überrascht waren, aber der Sachzusammenhang mit dem darunterliegenden Kleinkraftwerk aus dem Jahr 1908 erschloss uns die Logik. Erstaunt waren wir, dass die Leistung des Kraftwerkes durch den Austausch der Turbine verdoppelt  wurde. In unmittelbarer Nähe konnten wir auch vieles über die Bedeutung und Funktion eines heute noch wasserführenden Wuhres erfahren, und dass dies neben der industriellen Nutzung auch der Bewässerung von Wiesen an den arbeitsfreien Tagen diente. Heute wird ein anderer Teil des Wassers aus der Murg durch einen Stollen in das Oberbecken Egg des Kavernenkraftwerkes in Bad Säckingen abgeleitet, um dort Spitzenstrom zu erzeugen. An dieser zentralen Stelle der Wasserkraftnutzung konnten wir bei einer Führung im Energiemuseum Hottingen interessante Aspekte über die frühere und heutige Energiegewinnung, deren Übertragung in Haushalte und Industrieanlagen sowie die Anwendung erfahren.
Auf unserer weiteren Wanderung durften wir einen Golfplatz streifen und konnten dabei neue Erkenntnisse über die Nutzung als Freizeitsportanlage, die Bewirtschaftung der sonstigen Flächen als ökologisch hochwertige Zonen, sowie weiterer Teile durch die Land- und Forstwirtschaft gewinnen. Schließlich erreichten wir glücklich aber müde das Ziel unserer Wanderung, die gemütliche Fliegerklause auf dem Flugplatz Hütten-Hotzenwald.
Neben der Wanderung erfuhren wir vieles über die Geschichte, Kultur und die Wirtschaft der Region. 1386 verkaufte Johann IV. von Habsburg-Laufenburg das sogenannte Hauensteiner-Land an das Fürstentum Österreich das fortan zu Vorder-Österreich gehörte, bis es durch den Frieden von Lunnéville 1801/ Preßburg 1806 an das Großherzogtum Baden fiel. Von 1371 bis 1433 schlossen sich in dieser Region benachbarte Gemeinwesen zu acht sogenannten Einungen zusammen, die umfassende Befugnisse hatten. In diesen Einungen gab es keine Leibeigenschaften und weitere große Freiheiten gegenüber dem Landesherrn, die Rechte und Pflichten der Bewohner wurden von einem Einungsmeister verwaltet, der jährlich im Wechsel neu gewählt wurde. Die acht Einungsmeister wählten aus ihrer Mitte jährlich einen Redmann, der zusammen mit dem Waldvogt das Hauensteiner Land beim Vorderösterreichischen Landtag in Enzisheim, später in Freiburg, vertrat. Durch die Einflussnahme des Klosters St. Blasien (u.a. Heiratspolitik bei den Bürgern) wurden viele Familien zu Leibeigenen des Klosters und mussten u.a. dem Abt jährlich huldigen um sich dem Herrschaftsanspruch des Klosters zu beugen. Dies verweigerten die selbstbewussten „Freien“ Leute. Schließlich mündeten die Auseinandersetzungen in den sogenannten Salpeterer-Aufständen zwischen 1728 und 1755. Die damalige Kaiserin Maria Theresia konnte diesen Unruhen nur Herr werden, im dem sie die Aufstände mit dem Militär niederschlagen ließ und 27 Familien mit über 100 Personen in das Banat verbannte. Unter der milden Herrschaft Österreichs entwickelte sich die Region recht positiv, auch durch Glasbläsereien und die Gewinnung von Holzkohle für die Verhüttung von Eisenerz im Hochhein- und Wehratal. Im 19. Jahrhundert kam die Hausweberei, genannt „Zeuglehausweberei“ hinzu, die später in die Seidenbandweberei überführt wurde. Heute bieten viele Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe Arbeit und Brot, viele Leute gehen als Pendler in die benachbarten Städte und Gemeinden oder in die benachbarte Schweiz. Die Landwirtschaft wird überwiegen im Nebenerwerb betrieben in der Form der Mutterkuhhaltung. Die Vollerwerbsbetriebe liefern ihre Milch an die Schwarzwaldmilch in Freiburg ab.